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Siedlungsgeschichte
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Postkarte Bergkamen, um 1900

 

 

Nordwanderung des Bergbaus in die Lippe-Zone

Das Gebiet der heutigen Stadt Bergkamen wurde erst um 1890 vom Vordringen des Bergbaus erfasst. Dieses erfolgte etappenweise von Süden nach Norden. Hierbei kann man fünf verschiedene Zonen unterscheiden: die Ruhr-, Hellweg-, Emscher-, Vestische- und Lippe-Zone.

Der Bergbau ist für die Ruhrzone bereits im Mittelalter urkundlich belegt.

In der Hellwegzone begann die Industrialisierung erst mit dem Einsatz der Dampfmaschine, die zur Durchteufung des Deckgebirges und zur Hebung des Grundwassers eingesetzt wurde. Hier wird die Kohle von einer Deckgebirgsschicht überlagert.

Etwa um 1850 erreichte der Bergbau die Emscher-Zone mit den typischen Begleiterscheinungen der „Industriellen Revolution“ wie Anhäufung von Bergwerken und eisenverarbeitender Industriebetriebe sowie der massenhaften Zuwanderung von Arbeitskräften. Die Teuf- und Abbaumethoden wurden verbessert und die Versuche zur Verkokung der Kohle verliefen erfolgreich. Mit dem Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn in den 1840er Jahren, dem wichtigsten Transportmittel für die Kohle, waren die Voraussetzungen für die Nordwanderung des Bergbaus in die Emscher-Zone geschaffen.

In der Vestischen Zone setzte der Bergbau um 1890 ein. Hier entstanden große Schachtanlagen, die sich an einigen wenigen Industriestandorten wie Recklinghausen, Herten, Gladbeck und Sterkrade konzentrierten.

Erst um 1900 gelangte man in die bergbaulich schwer zu erschließenden Gebiete des Lippetals. Hier bildeten sich nur vereinzelt industrielle Zentren um Hamm, Dorsten, Marl und Datteln heraus.

 

Bergkamen vor der Industrialisierung

„Hier wohnten still und friedlich mit Fleiß den zähen Boden bearbeitend, fast abgeschieden von der Welt, die genügsamen Ansiedler. Dem von Camen kommenden Wanderer war es zu Mute, als käme er in eine fremde Welt, wenn er den Nordberg überschreitend, in die friedliche Thalsenkung mit dem anschließenden Walde, hinabstieg.“

Diese Beschreibung aus der Geschichte der Stadt Kamen, 1901 von Friedrich Pröbsting, weist auf den noch dörflichen Charakter der ehemaligen Gemeinde Bergkamen vor der Industrialisierung hin. Ähnlich sah es um diese Zeit in den übrigen Gemeinden der heutigen Stadt Bergkamen aus.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebte der überwiegende Teil der Einwohner dieser Gemeinden von der Landwirtschaft, einige wenige von Handel und Handwerk. Durch den wirtschaftlichen Niedergang vieler bäuerlicher Kleinbetriebe bildete sich vor 1900 eine Gruppe von „Industriearbeitern“ heraus, die auf den benachbarten Zechen einfuhren. Zum Teil brachte dies einen Nebenverdienst neben der Landwirtschaft, zum Teil nahmen ehemalige Kleinbauern ganz den Beruf des Bergmanns an.

 

Kötter werden Bergleute

„Ist mir doch in Erinnerung, dass im vorigen Jahrhundert einige Weddinghofer zu Fuß zur Zeche Kurl gingen, das bedeutete vier Stunden Weg täglich, und die Schicht unter Tage dauerte acht Stunden (Schichtzeit über Tage zwölf Stunden einschließlich zwei Stunden Pause). Ebenso gingen einige nach Preußen II. Und im 1. Viertel dieses Jahrhunderts gab es mir bekannte Weddinghofer Bergleute, die jahrelang auf der Zeche Victoria in Lünen und Zeche Werne arbeiteten und den Zechenweg bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad machten.“ „Eine andere Gruppe von Bergleuten, die im Laufe der Zeit fast verschwunden ist, besaß eine kleine Landwirtschaft. Das Land wurde mit Kühen bearbeitet, manchmal war ein Pferd vorhanden, oder man lieh sich von einem Bauern ein Pferdegespann. Diese Kuhbauern (Kötter) fuhren am liebsten nachts an, oft jahrelang, so dass man sagte, sie hätten Kauburnschicht (Kuhbauernschicht).“

J. und F. Schnickmann: Chronik der Gemeinde Weddinghofen, 1965, S.68.